Hello, what's your name - Hello, Hello .........

Mai, 2001 - von Martin Atzenhofer

Hello, what's your name - Hello, Hello .........

Where do you come from?, What's your country?, What's your native country?, Which country do you belong to?, What's your country of origin?, What's your country of birth?, England?, American?, ............
Oft wird man in Indien auf der Straße von Kindern, Halbwüchsigen, Erwachsenen mit diesen Fragen angesprochen. Das freut einen, doch öfters ist das auch des Guten zuviel und wird ziemlich lästig. Meine Rekordtage hatte ich in Junagadh und in Dwarka, dort wurde ich auf der Straße mindestens jede Minute gefragt, zweimal sogar, von einem Radel-Fahrer im vorbeisausen. Bis ich antworten konnte, war der Bursche schon weg.

 
Der Name ist den meisten Fragern unwichtig, da ja unsere Namen keine Kastenzugehörigkeit erkennen lassen, dafür ist das Herkunftsland das Wichtigste. An sich ist es nett, so leicht ins Gespräch zu kommen, doch leider kommt man über die paar Standardfragen aufgrund der bescheidenen Englisch-Kenntnisse des Fragenden nicht hinaus:
What's your country?
What's your name?
Fortgeschrittene fragen dann meist noch nach dem Beruf und dem Einkommen.
Eigene Fragen zu stellen, außer nach dem Namen und dem Beruf, Anzahl der Kinder scheitern genauso an den Englisch-Kenntnissen, so wird die Konversation nach dem Zehntenmal recht monoton, sprich frustrierend. Irgendwann blockt man dann schon den potentiell Fragenden ab, was in den Augen der Inder als unhöflich erscheinen muß. Ich mußte mir immer sagen, diese Menschen meinen es nur nett, denn sonst hätte ich nach einiger Zeit ziemlich aggressiv auf diese ständige nutzlose Fragerei reagiert, spätestens der hundertste Frager hat aber dann doch eine Unhöflichkeit von mir kassiert, als Abreagieren von den vorangegangenen Fragen. Eine andere Methode, die ich mir angewöhnt habe, war, daß ich irgendeinen lustigen Unsinn von mir gegeben habe, um aufkeimenden Groll gleich im Keim in Lachen zu verwandeln (Lachen, oder besser Lächeln ist eh immer die beste Antwort auf alle Dinge). Schenke ein Lächeln und Du erhälst eines zurück, das funktioniert meist und hebt die Laune. Besonders bewährt hat sich auch die Gegenfrage in Hindi: apkaname (Wie heißt Du), was den Frager zuerst verblüfft und etwas mehr Respekt (kurzfristig) als Hindi-sprechender einbringt.

 
Das sind aber nur die Leute, von denen man auf der Straße angesprochen wird. Selbstverständlich gibt es in Indien eine Masse von Menschen, die überaus gut Englisch sprechen, von denen wird man aber auf der Straße gewöhnlich nicht angesprochen. Wenn man selbst Hilfe oder Wegweisung braucht, sind die Inder wirklich nett und immer hilfsbereit. Mit Indern aus der "gehobenen Klasse" ist eine Unterhaltung dann auch oft sehr interessant.

 
Das "Hello" Where do you come from" kann aber einem wirklich das Herumwandeln in den Straßen vermiesen, einmal, nachdem ich mich ständig weigerte, auf solcherlei Ansprache zu reagieren, hat man dann sogar einen kleinen Stein auf mich geworfen, nicht um mich zu verletzen, sondern nur um meine Aufmerksamkeit zu erhalten.
Für diese Reaktion habe ich im Buch: Indien, eine poetische Annäherung von Voker Sommer eine gute Erklärung gefunden:

 
Seite 33:
.... Der Fremde ist eine ausbeutbare Ressource, willkommenes Zubrot über den Tarif hinaus. Kein Preis ohne Touristenzuschlag, vom Seidenhändler über den Schuhputzer und Teekoch bis zum Rikschafahrer. Kinder betrachten den Fremden als entfernt verwandtes Geschöpf, umgaffen ihn wie den bananenfressenden Tanzbären. In den Städten eilen ihn die Ankündigungsschreie "Angrez, Angrez! - English - English!" voraus, und er wird am Fell gezerrt. Die erste Schulbuchseite wird ausprobiert: What is your name? What is time? Immer und immer wieder. Das Resultat ist egal, Hauptsache, das Spielzeug funktioniert und macht irgend etwas: Lachen, Antworten, Schimpfen, Weglaufen. Und wie bei langweilig gewordenen Tieren, die gequält werden, um außergewöhnliche Reaktionen zu erzwingen, kann man Steine hinterherschmeißen und freut sich brüllend, wenn der fliehende Bär noch einmal zurückdroht. Nichts ist fremder in der Fremde als der Fremde .....



http://www.IndienErlebnis.de/
Indien-Auswahlseite Noframe