Indien nach 10 Jahren - Veränderungen

Juni, 2001 - von Martin Atzenhofer

Wiedersehen nach 10 Jahren


Veränderungen

Auf Reisen bin ich oft gefragt worden, was sich in Indien eigentlich alles seit meinem letzten Aufenthalt vor 10 Jahren verändert hat.

 
Erwartet habe ich eigentlich keine großen Veränderungen, aber ein paar negative als auch positive musste ich schon feststellen.

 
Telefon
Viel billiger und einfacher ist das Telefonieren nach Hause geworden. Früher musste man zum Hauptpostamt, Anstehen, und dann noch viel Geld für ein kurzes Gespräch mit hohem Preis bezahlen. Inzwischen kann man fast an jeder Ecke telefonieren und Auslandsgespräche sind viel günstiger und einfacher geworden

 
Internet
Indiens Stolz ist die Software-Industrie. Nach Amerika sind sie nun der zweitgrößte Software-Exporteur der Welt (verfolgt von China). In allen großen Städten findet man nun ein Internet-Cafe zu vernünftigen Preisen und guter Verbindung.

 
Geld
So nach dem westlichen Muster läuft das noch nicht mit dem Geld. Inzwischen ist der indische Rupee wenigstens eine freie Währung und der Schwarzmarkt ist verschwunden. Seine Reiseschecks kann man nun bei Money-Changern umtauschen. Vor 10 Jahren musste man für den Geldtausch in einer Bank mindestens ein bis zwei Stunden einplanen, nun geht es deutlich schneller. Es gibt inzwischen auch einige Geldautomaten, aber das steckt noch in den Kinderschuhen.

 
Geldscheine gibt es nun auch in Rupee 500 und 1000, wobei ich von den 1000-er Noten abraten will, da diesen noch viel Mißtrauen entgegengebracht wird.

 
Ausländische Waren
Die Importbeschränkungen wurden in den letzten Jahren teilweise zurückgenommen, so dass nun ein kleines Angebot an westlichen Gütern in Indien frei erhältlich ist. Es gibt nun z. B. Filme und Kameras zu kaufen. Sogar Klo-Papier gibt es fast überall, teilweise aber zu Liebhaberpreisen.

 
Transport
Viele neue Straßen wurden gebaut, besonders die Hauptverkehrsverbindungen zwischen den Großstädten sind oder werden zweispurig (ähnlich wie eine Autobahn) ausgebaut. Das Angebot an privaten Luxusbussen ist enorm gestiegen, so dass man auf den meisten Strecken nun mit einem komfortablen Bus fahren kann. Es gibt inzwischen sogenannte Sleeper-Couch-Busse, in denen man nachts (während der Fahrt) auf einer kurzen Bank ruhen kann. Die Regierungsbusse sind weiterhin recht basic. Bei der Bahn, die ohnehin ganz gut ist, hat sich außer dem neuen Streckenteil von Bombay nach Goa nicht viel geändert.

 
Luftverschmutzung:
Die Luftverschmutzung in den Städten hat merklich zugenommen. Nicht nur in den großen Ballungszentren sondern auch in Kleinstädten ist die Luft zum Schneiden. Ursache dafür ist die Zunahme des privaten Verkehrs und die Dreitakter (Rikschas) als auch die Rauchschwaden-umwogten Dieselbusse. Eine weitere Ursache liegt in der Zunahme des Plastikmülls, der meist vor Ort zusammengekehrt und verbrannt wird. Die Emissionen aus der schnell wachsenden Industrie sind bestimmt auch deutlich gestiegen.

 
Lärm:
Horn please, steht auf allen Kraftfahrzeugen auf der Rückseite (wie schon vor 10 Jahren) und wird auch ausgiebig durchgeführt. Durch den stark angestiegenen Verkehr ist auch der Schallpegel deutlich angestiegen. Dem Inder scheint es nichts auszumachen, den er dreht, auch wenn er in einem ruhigen Raum ist, das Radio oder den Fernseher bis zum Anschlag auf. Auch die Taxifahrer reizen das neue Autoradio vollends aus und meinen, den Fahrgast mit Hindi-Musik beglücken zu müssen.

 
Fernsehen
Vor 10 Jahren gab es auch schon Fernsehen, nun aber haben amerikanische Produktionen seit ein paar Jahren auch Zugang zum indischen Markt erhalten, was sich bereits offensichtlich auf die indische Jugend auswirkt, die jetzt plötzlich "cool" sein will. Auch sieht man nun in großen Städten mehr und mehr Jugendliche, die westlich gekleidet sind.

 
Armut
Daran hat sich im wesentlichen nichts geändert. Rund ¾ der Bevölkerung lebt auf dem Land von der Landwirtschaft und leben teilweise in erbärmlichen Verhältnissen. Auch in den Städten sind die Slums und Pavement-dwellers (Gehsteigschläfer) wie seither. Inzwischen gibt es in Indien aber eine kleine Mittelschicht, die mit eigenem Auto in Urlaub fährt und auch in den Städten zu beobachten ist. Groß in Mode sind nun Waschmaschinen und Elektrogeräte für die Küche (für die Mittelschicht). Vor 10 Jahren hatte das noch Seltenheitswert.

 
Öffentliche Toiletten
gibt es nun auch in den Städten, was es vorher überhaupt nicht gab. Der Kloakengeruch in Seitenstraßen ist dadurch etwas weniger geworden.

 
Rauchen
Die Regierung versucht mittels Kampagnen und Gesetzen dem Volk "gute Sitten" einzupaucken. Derzeit laufen Vorbereitungen, das Rauchen in der Öffentlichkeit gänzlich zu verbieten (in einigen Bundesstaaten, z. B. Kerala ist das schon so). Die gute alte Beedies (gerolltes Tabakblatt) mit Ihrem angenehmen Duft verschwinden schön langsam und weichen Filterzigaretten indischer Herkunft (schade). Amerikanische Zigaretten sind in fast allen Touristen-Zentren zu kaufen.

 


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